21. Oktober 2017

Stadtrat Erkan Dinar (DIE LINKE): "Genauso wie wir den Einzelhandel in der Kernstadt mit einem Einzelhandelskonzept geschützt haben, hätten wir auch einen Schutzschirm für die Gastrobetriebe aufspannen müssen"

Stadtrat Erkan Dinar (DIE LINKE)

Leserbrief zum Artikel "Die große Pächtersuche" im Weißenburger Tagblatt vom 14. Oktober 2017.

"Die Weißenburger Gastrolandschaft ist bereits seit vielen Jahren im Umbruch. Auf den ersten Blick, ein Gewinn. Neue Pächter bringen schließlich frischen Wind in die Branche. Schaut man jedoch deutlicher hin, sieht man Gastrofamilien, die um ihre Existenz kämpfen müssen. Es gibt bei uns in der Altstadt etliche Gaststätten und Restaurants, die an sehr vielen Abenden im Monat höchstens eine handvoll Gäste begrüßen dürfen. Die Betriebskosten können gerade so gedeckelt werden und auch meistens nur deshalb weil es sich um Familienbetriebe handelt.

Den Stadtrat interessiert diese Entwickling nicht. Ansonsten hätte man die Gastro-Pläne auf dem Neulinger-Gelände verhindert. Dort droht durch einen Mc-Bäcker-Schmidt in Überdimension ein preislicher Unterbietungswettbewerb. 750 bis 900 Kunden sollen täglich die neue Filiale des Heidecker Bäckers aufsuchen. Die Öffnungszeiten werden an Werktagen von 6:00 Uhr bis 23:00 Uhr, am Wochenende um bis 1:00 Uhr nachts gehen. Von der Holzofenpizza über Pasta und Fisch, vom Burger zum Rumpsteak, vom warmen Snack zum Salat, wird alles zu haben sein. Bei einem durchschnittlichen Mindesterwerbsumsatz von 5 Euro pro Kunde sprechen wir über einen jährlichen Mindestumsatz von bis zu über 1,6 Millionen Euro. Nach einer im Stadtrat vorgestellten Prognosen ist davon auszugehen, dass mindestens 40 Prozent von bisherigen Gastronomiebetrieben kommen werden. Die bisherigen Gastrobetriebe werden also einen gemeinsamen Umsatzverlust von mindestens 500.000 bis 650.000 Euro im Jahr zu verzeichnen haben. In einem Brief teilte mir gar ein Branchenkenner mit, dass die von den Projektplanern angegebenen bis zu 900 Kunden täglich eine Untertreibung sein sollen.

Genauso wie wir den Einzelhandel in der Kernstadt mit einem Einzelhandelskonzept geschützt haben, hätten wir auch einen Schutzschirm für die Gastrobetriebe aufspannen müssen. Doch dazu ist der Stadtrat nicht bereit gewesen, als er die Gastro-Pläne auf dem Neulinger-Gelände abgesegnet hat."

Quelle: http://www.die-linke-ansbach.de/politik/meldungen/detail/artikel/gastrofamilien-die-um-ihre-existenz-kaempfen-muessen/